LST steht für „Training mit geringem Stress“. Anstatt die Pflanze senkrecht nach oben wachsen zu lassen, werden Triebe behutsam in die Horizontale geleitet und fixiert. So entsteht eine breitere, buschige Struktur mit vielen gleich hoch liegenden Spitzen (Canopy). Diese Spitzen erhalten gleichmäßig Licht, wodurch die Pflanze mehr Photosyntheseleistung entfalten kann. Biologisch steckt dahinter u. a. der Fototropismus: Die Pflanze richtet ihr Wachstum zur Lichtquelle aus; beim Biegen verlagert sich die Hormonverteilung (Auxine), wodurch Seitentriebe kräftiger nach oben streben.
Dank des Phototropismus ermöglicht LST eine gleichmäßigere Lichtverteilung auf die Pflanze.
Starte in der vegetativen Phase, wenn die Pflanze 4–6 Nodien (Blattpaare) gebildet hat. In dieser Zeit sind Stängel flexibel und lassen sich sicher biegen. Auch in der frühen Blüte (Stretch‑Phase) ist LST möglich, solange die Triebe noch nicht verholzt sind. Grundregel: Je früher, desto besser – spätes Biegen erhöht die Bruchgefahr.
Pro‑Tipps: Arbeite immer langsam und in kleinen Winkelschritten; erwärme steifere Triebe kurz mit der Hand (Reibung) für etwas mehr Flexibilität; nutze möglichst breite Auflagepunkte, damit nichts einschnürt.
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die beim LST verwendet werden können.
Apikaldominanz brechen: Biege den Haupttrieb vorsichtig seitlich nach unten und fixiere ihn am Topfrand. Ziel ist, die Spitze auf Höhe der Seitentriebe zu bringen, damit alle Triebe gleichmäßig Licht erhalten.
Seitentriebe fördern: Sobald die Seitenarme nach oben streben, biegst du auch diese leicht horizontal und fixierst sie fächerförmig. So entsteht eine flache, gleichmäßige Krone.
Regelmäßig nachjustieren: Pflanzen wachsen täglich. Kontrolliere alle 2–4 Tage die Binder, verlängere sie bei Bedarf und verhindere Einschnürungen. Besser oft kleine Anpassungen als seltene, harte Eingriffe.
Canopy halten: Achte darauf, dass keine Spitze deutlich über die anderen hinausragt. Gleich hohe Spitzen = gleichmäßige PPFD‑Verteilung und homogene Blütenentwicklung.
Sanftes Entlauben (optional): Entferne sparsam untere, stark beschattete Blätter, um Luftstrom und Lichtwege zu verbessern. Weniger ist mehr – LST bleibt der Haupthebel.
Stabilisieren bis zur Blüte: In der Stretch‑Phase nochmals prüfen und formen. Ab der späten Blüte möglichst Ruhe bewahren – die Energie soll in die Buds gehen.
Indoor: LST verhindert Lampenbrand und nutzt die Lichtfläche optimal aus. Ein gleichmäßiges Canopy erleichtert die PPFD‑Steuerung und hält die ideale Lampen‑Distanz. In kleinen Zelten (z. B. 60 × 60 cm) ist LST fast Pflicht, um die Fläche effizient zu füllen.
Outdoor: LST hilft, Pflanzen unauffällig und windstabil zu halten. Die flach gefächerte Struktur reduziert Windangriffsfläche, verbessert die Trocknung nach Regen und mindert Schimmelrisiken. Fixierungen regelmäßig prüfen – UV, Regen und Wind können Materialien ermüden.
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In Hydro‑Systemen (DWC, NFT, Dripper) und auf Kokos wachsen Pflanzen oft schneller und reagieren besonders gut auf LST. Die gleichmäßige Triebverteilung sorgt dafür, dass Nährstoffe und Licht flächig verwertet werden. Achte in Hydro/Kokos darauf, die Bewässerungsintervalle und die Nährstoffstärke (EC) dem breiteren Canopy anzupassen – mehr Blattmasse kann den Bedarf erhöhen. Gleichzeitig begünstigt die offene Struktur eine effektivere Verdunstung und Temperaturkontrolle im Zelt.
LST steigert nicht nur die Produktivität, sondern sorgt auch für kompakte Pflanzen mit hohem Ertrag.
Autoflower gehen unabhängig vom Lichtzyklus in die Blüte und haben eine begrenzte Lebenszeit. Hartstress (starkes Beschneiden, spätes Topping) kostet Wachstumstage – deshalb ist LST die Methode der Wahl. Beginne früh, arbeite sehr behutsam und plane regelmäßige, kleine Anpassungen. Moderne Autoflower‑Genetiken sind robust und profitieren spürbar von einer flachen, gut belichteten Krone.
Passende Autoflowering Hanfsamen für Indoor und Outdoor findest du hier. Achte darauf, keine zu klein wachsenden Autosflowering Sorten auszuwählen.
Eine flache, gleichmäßige Krone erhöht die effektive Lichtausbeute pro Fläche und verbessert die Durchdringung bis in mittlere Zonen. Das führt zu größeren, homogeneren Buds statt Popcorn an den Seiten. Durch die bessere Luftführung sinkt das Risiko für Feuchtigkeitshänger – wichtig für die Harz- und Terpenentwicklung. Viele Grower berichten von sichtbar volleren Blütendächern, stabileren Colas und insgesamt höherer Qualität im Glas.
Beachte stets die geltenden Gesetze in deinem Land/Region. Informationen in diesem Artikel dienen Bildungs‑ und Gartenbauzwecken. Kultiviere nur dort, wo es rechtlich erlaubt ist, wie zum Beispiel in Deutschland. Hier kannst du seit April 2024 für deinen Eigenbedarf legal anbauen.
LST ermöglicht zudem größere und gleichmäßigere Buds.
Ja. Mit Geduld und sanften Bewegungen ist LST einsteigerfreundlich. Starte früh, arbeite in kleinen Schritten und kontrolliere regelmäßig.
In der Wachstumsphase alle 2–4 Tage; im Stretch ggf. täglich kleine Korrekturen. In der späten Blüte möglichst nicht mehr eingreifen.
Absolut. LST bringt die Triebe in Position, das SCROG‑Netz hält die Fläche homogen. Eine der ertragreichsten Kombinationen im Indoor‑Anbau.
Ja. Sativas profitieren stark von Höhenkontrolle; Indicas werden breiter und buschiger. Ziel bleibt ein flaches, gut belichtetes Canopy.
Sofort stützen und mit Pflanzenklebeband vorsichtig verbinden. Viele kleine Risse verheilen schnell; künftig langsamer biegen.
Ja, besonders. Schnelleres Wachstum + flaches Canopy = sehr effiziente Flächennutzung. Bewässerung/Nährstoffgabe entsprechend anpassen.
Bis in die frühe Blüte/Stretch‑Phase. Später nur noch stabilisieren, damit die Pflanze ihre Energie in Blüten und Harzbildung lenkt.

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